Porträt

«Ich lebe für die Kunst. Ich werde mit der Kunst untergehen.»

Susanne König ist Galeristin aus Überzeugung. Sie gibt alles für die Kunst, liebt das Risiko und geht mit dem Schicksal. Auch als sie ihre Galerie eröffnete und der Lockdown ausgerufen wurde.

Das König Büro liegt in unmittelbarer Nähe der Tramhaltestelle «Talwiesenstrasse» in Wiedikon, Kreis 3. In der ehemaligen Wäscherei treffe ich Susanne König am Tag nach der Vernissage von «Marcel Freymond: Staring at the Sea / Staring at the Sand». Gemeinsam betrachten wir seine Werke. Abstrakte und doch sehr sinnliche Werke. Mit einem Pinselduktus, der ihnen etwas Rhythmisch-Verspieltes verleiht und an Willem de Koonings Spätwerk erinnert.

Freymond entspreche ganz ihren programmatischen Leitlinien von Eigenständigkeit, Zeitgeist und formaler Ästhetik. «Feminismus natürlich nicht!», sagt König vergnügt – ein weiterer Schwerpunkt von ihr. Sie will feministischen Positionen eine Plattform bieten, was für eine Galerie nicht ohne Risiko ist, denn auch in der Kunstwelt ist Gleichberechtigung und Diversität noch keine Normalität. «Es kam häufig vor, dass unbekannte Leute herein kamen und entweder einen Mann als Inhaber erwarteten oder fragten, ob ich die Praktikantin sei».

Susanne König (rechts) mit Marcel Freymond (links) an der Vernissage zu «Marcel Freymond: Staring at the Sea / Staring at the Sand» im Hintergrund. Fotografiert von David Jäggi.

«Ich habe mir nie gesagt: ‹Ich will Galeristin werden!›». Dies habe sich vielmehr organisch entwickelt. Als sie noch Angestellte beim Kunsthaus Zürich war, fing sie an, selbstständig Projekte zu realisieren. Und merkte: «Ich bin nicht cheftauglich. Selbstständigkeit ist mein Ding». Diese hatte aber auch ihren Preis: «Kunst ist eine harte Branche. Es gab Zeiten, in denen es mir sehr schlecht gegangen ist». Doch «dann gab es einen Moment, in dem ich erkannte: Ich muss etwas verändern. Damit Kunst ein Beruf ist und nicht nur eine Leidenschaft, die nirgends hinführt, muss ich etwas machen, das sich, salopp gesagt, verkaufen lässt».

Fünf Jahre befand sich ihr Büro in einer Zwischennutzung. Umgeben von Ateliers, aber auch unsichtbar für Andere. Sie bewarb sich für den Raum an der Birmensdorferstrasse. «Als sie angerufen haben und sagten, ‹Sie können den Raum mieten›, wusste ich: ‹Ok, jetzt mache ich eine Galerie!›». Es war die sprichwörtlich günstige Gelegenheit. «Man muss auch mit dem Zufall/Schicksal gehen». Und das Risiko lieben: «Ich lebe für die Kunst, ich werde mit der Kunst untergehen».

Frontansicht des König Büro mit Werken der Ausstellung «Milva Stutz: Good Boys» im Hintergrund. Fotografiert von David Jäggi.

So kam es, dass die Eröffnung mit dem Lockdown zusammenfiel. «Es hat uns voll getroffen. Und als ich um Unterstützung fragte, sagte man mir am Telefon, dass der Bund Kunsthandel und Kunstvermittlung nicht verboten habe». Zu ihrem Glück hatte sie noch andere Projekte und Mandate, die in reduzierter Form weiterliefen. «Wenn ich 100% auf die Galerie gesetzt hätte, dann hätte es mir vielleicht gleich im ersten Jahr das Genick gebrochen». Betroffen machte ihr die manifeste Haltung von Politik und Wirtschaft gegenüber der Kunst und Kultur. «Es ist brutal, zu merken, dass für einen grossen Teil der Gesellschaft Kunst vernachlässigbar ist und in keiner Weise systemrelevant». Doch gerade in der Krise scheint ihre Leidenschaft auf. «Ich bin nicht jemand, der vor Panik erstarrt, sondern sich bewegen muss». Statt zu warten, dass die Gesellschaft zur Kunst kommt, sorgt sie dafür, dass die Kunst zur Gesellschaft geht.

«Ich klinge jetzt wie die, welche es mir vor Jahren gesagt haben, aber: Es ist tatsächlich verdammt hart. Man muss bereit sein, alles zu geben». Welchen Rat würde sie ihrem früheren Selbst geben wollen? «Investoren finden oder die ökonomischen Voraussetzungen haben. Ich hatte das alles nicht und bildete mir ein, ich bräuchte das nicht. Doch schlussendlich ist es so, dass zwei, drei gute Kundinnen und Kunden den Ausschlag machen, ob man es schafft oder nicht.»

Das Berufsleben als Galeristin bringt natürlich auch schöne Momente mit sich. Glückliche und manchmal auch absurde. Etwa als sie mit dem Velo ein Werk mit einem Wert von mehreren zehntausend Franken transportierte… Doch das ist eine andere Geschichte.

Links:

http://koenigbuero.ch