Portrait

Luca Harlacher — Die Werke mit dem Eigenleben

Die zweidimensionale Malerei wirkt wie Strassenkunst mit einer bunten Mischung aus expressiven Einflüssen. Denn auf seinen Leinwänden geschieht so manches. Die farbenfrohen Elemente erinnern an die Erlebnisse eines Kindes, das nach einem abenteuerlichen Schultag nach Hause kommt und gerne den ein oder anderen Atemzug vergisst, da es so vieles zu erzählen hat.

Und Harlacher bestätigt, so nimmt er seine Umwelt wahr: kindlich und ohne Voreinnahme. Nahvollziehbar.

Im Alltag wird der Mensch heutzutage mit etlichen Reizen überflutet. Dies greift Luca Harlacher auf und macht sich in seiner Malerei bemerkbar. Diese kindliche Herangehensweise erlaubt es ihm, das Geschehnis so roh wie möglich aufzunehmen und auf die Leinwand zu bringen. Doch hier hört sein künstlerischer Anspruch nicht auf.

Gerne geht er mit seinen Werken auch spazieren. Wie kann man sich das vorstellen?

«Ich trage ein Bild von meinem Atelier zu mir nach Hause und beobachte, wie es in der Umgebung wirkt», sagt Harlacher. Denn bei diesem Experiment entsteht jeweils ein neuer Kontext zwischen dem Bild und der neuen Umwelt. Interessant wird es dann erst recht, wenn er Spiegel an seine Werke anbringt, die die Umgebung wiedergeben und ins Werk integrieren. Dies hält er mit einer Kamera fest. So entsteht erneut etwas Neues mit bestehenden Elementen aus dem Repertoire Harlachers.

Hodgepodge-Land (2019)

Seine Arbeit lebt von wiederkehrenden Objekten und neuen Kontexten. Das können Teile aus seiner Kindheit sein, aber auch aus dem Erwachsenenalter. Alltagsobjekte eben! Es scheint so, als würden seine Werke ein Eigenleben führen, Beziehungen eingehen und ihre Geschichte selbstständig erzählen.

Harlacher nimmt somit die Rolle des Vermittlers an. Er sucht stets nach neuen Konstellationen. Mal fotografiert er ein Objekt und die Fotografie wird dann in einem weiteren Projekt wiederverwendet.

Ein Blick in Luca Harlachers Atelier…

Auch sein Atelier bietet viel Stoff. Entsorgen ist nicht sein Ding: «Man kann alles irgendwann einmal gebrauchen», lacht er. Das Chaos ist vorprogrammiert, soll man denken. Und in der Tat bemüht sich Harlacher besonders, Ordnung in diesem Wirrwarr zu halten. Eine Herausforderung. Es habe seine Tücken, aber auch das gehöre zum Prozess.

Luca Harlacher befindet sich noch in den Startlöchern seiner künstlerischen Karriere. Und doch hat sich bereits einiges getan. Noch während seines Studiums an der ZHdK gewann er den fischer/collegen Kunstpreis 2018. Somit ist er der bisher jüngste Künstler, der den Preis entgegennehmen durfte. Im Sommer 2019 schloss er seinen Bachelor ab und arbeitet für ein Jahr als freischaffender Künstler.