Porträt

Janet Mueller — Hier spricht der rohe Ausdruck

Nackte Gesichtsausdrücke und minimalistische, weibliche Körper geformt aus schwarzer Acrylfarbe präsentiert Janet Mueller in ihrem Künstlerprofil auf der Plattform Network of Arts. Ihre Werke tragen keine Farbe. Schwarz ist ihr Werkzeug. Was daraus entsteht: purer Ausdruck und ein Spiel zwischen Künstlerin und Publikum, Nähe und Distanz. Diese Kunstschaffende lebt den Kontrast und setzt ihr künstlerisches Schaffen und sich selbst gleich auf einen gemeinsamen Nenner. Denn ihre Kunst kommt von innen und dies ungeschminkt und authentisch.

Um zu kreieren muss sie nicht einmal das Haus verlassen, denn ihr Atelier ist zugleich auch ihre Wohnung, oder umgekehrt. Sie setzt keine Grenzen, schubladisiert nicht und folgt ihrem Freigeist. Um ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu können braucht sie eben dieses vertraute sichere Umfeld. Nur dort beginnt sie zu malen und zu tüfteln, was dann auch im Sägen oder Modellieren mit Ton enden kann. Mal tagsüber, mal nachts, wenn sie nicht schlafen kann. Wenn sie einmal angefangen hat, bremst sie auch kein Hunger. Sie wird eins mit dem Flow. «Bis alles draussen ist, dann höre ich oft erschöpft auf», sagt Mueller.

Künstlerisches Schaffen ist ihr Ventil. Sich in Worten ausdrücken könne sie nicht so gut, gibt sie zu. Deshalb sei sie auch Künstlerin und keine Schriftstellerin.

Janet Mueller

Denn Mueller packt jegliche Sinneseindrücke ihrer selbst auf einen Bildträger. Das macht sie zur Erzählerin – halt einfach ohne Worte. In der Bilderserie untitled spielt sie mit den Formen von Frauenkörpern und deren Wirkung. Körperlandschaften nennt sie diese. Warum Landschaften? «Von weitem betrachtet wirken die abstrahierten Formen zunächst wie eine Landschaft. Diese entpuppen sich beim Näherkommen als Frauenkörper», sagt Mueller. Sie arbeitet meist in Serien, um mit minimalistischen Linien eine Wirkung zu erzeugen, die mit Nähe und Distanz spielen. Auch die Wirkung im Raum berücksichtigt die Künstlerin.

“untitled” aus der Serie “Körperlandschaften I”

Eine weitere Zeichnungsserie – faces – realisierte Mueller auch auf einer Zimmerwand für das Projekt Sollbruchstelle in Zürich, das im Februar 2018 in der vierten Edition realisiert wurde. Unter dem Motto Kunst am sterbenden Bau wurden Kunstschaffende gebeten, in einem Gebäude, das kurz vor dem Abriss stand, auszustellen. Mit dem endgültigen Abbruch der Architektur wurden die Kunstwerke jeweils ebenfalls mitzerstört. Faces war damals nicht geplant.

Zuerst riss Mueller im alten Büro alle Teppiche raus und strich den ganzen Raum weiss. «So konnte ich wieder atmen», sagt sie.

Janet Mueller

Mit gefundenen Gegenständen kreierte sie zunächst eine Installation, ebenfalls in Weiss. In einem weiteren Raum malte sie ihre bereits bestehende A4-Serie faces vergrössert und neu interpretiert an die Wand. «Die Gesichter verschmolzen fast ineinander», erklärt sie. Wieder sei alles in Schwarz-weiss gewesen. Ein waschechter Janet Mueller eben.

Mueller ist eins mit der Kunst. Verändert sie sich, tut dies auch ihr künstlerischer Schaffensprozess. Wie gerade jetzt. Denn sie befindet sich künstlerisch in einem Umbruch. Ihre neusten Werke werden farbiger. Mit viel Wasser verdünnt, lässt sie neuerdings einige Farbnuancen mit einfliessen. Aber nicht zu viel. Denn für die Künstlerin wirkt es dann gleich zu bunt und wirr.

“untitled” aus der Serie “Körperlandschaften I”

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