Portrait

Tobias Gutmann — Universelle Kommunikation

Gutmanns Werke tragen deutliche Züge seiner interkulturellen Biografie. 1987 in Papua Neuguinea geboren, wuchs er dreisprachig und zwischen verschiedenen Kulturen auf. Während seines Studiums der Visuellen Kommunikation in Bern erforschte er das Verhältnis von Schrift und Bild. Nach seinem Zivildienst in Tansania studierte er Literarisches Schreiben an der Konstfack Universität von Stockholm.

Tobias Gutmanns Suche nach einer menschlichen Lingua Franka manifestiert sich in der Perfomance lets make language. Nicht Sprache, sondern Bilder sind der Ursprung unseres Denkens – so die Annahme des Künstlers. Diese Vorstellungen ähneln sich innerhalb von Kulturen stark und sind universell einsetzbar. Für seine Performance wandelt Gutmann Buchstaben in Symbole um und geht dabei über die Grenzen der herkömmlichen Typografie hinaus.

“Life” (2019)

Durch ihre Klarheit beinahe comicartig, entfalten seine Werke erst auf den zweiten Blick ihre vielschichtige Bedeutungsebene. In Hands reduziert er die Komplexität von Kommunikation auf die einfache Gestik der Hände – und erhöht deren Ausdrucksspektrum um ein Vielfaches. Sprache ist mehr als nur Gesprochenes. Vieles drücken wir durch Mimik und Gestik aus. Hands betrachtet die exponierte Rolle der Hände innerhalb der Körpersprache. Als Arbeits- wie auch Ausdrucksinstrument haben sie eine besondere Position innerhalb der Kommunikation inne. Fünf Finger, die immer wieder neu angeordnet, verschlungen oder regelrecht deformiert sind, wecken im Betrachter Assoziationen. Frieden, Liebe oder Hass – die Komplexität menschlicher Gefühle reduziert sich hier auf den Ausdruck durch Fingerglieder.

“Face-o-mat”, Installation und Performance im Centre Pompidou, Paris

Auch seine Performance mit dem Face-o-Mat setzt sich in beeindruckender Weise mit menschlicher Kommunikation auseinander. Seit 2012 reißt Tobias Gutmann mit seinem Face-o-mat um die Welt und porträtiert Menschen verschiedener Kulturen. Doch ein Portrait ist hier mehr als die realitätsgetreue Wiedergabe eines Gesichts. Gutmann abstrahiert in einem Bild die individuellen Merkmale, Charakteristiken und Eigenschaften seines Gegenübers. In einer Gesellschaft geprägt von Social Media erscheint es oftmals wichtig, unser Gesicht, unsere Person ins beste Licht zu rücken. Menschen stellen sich nach außen mit den Eigenschaften dar, die ihnen als erstrebenswert erscheinen. Gutmann jedoch fängt in einem Portrait das Gesicht hinter dieser Maske ein und gibt es als abstrakte Zeichnung wider.

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